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News Germany

Der derzeitige Ärztemangel besteht unter anderem, weil nicht genügend Nachwuchskräfte in die Krankenhäuser kommen. Der VKD fordert die Schaffung von weiteren Studienplätzen. (Bild: CandyBox Images/Shutterstock)
Nov 8, 2012 | News Germany

Ärztemangel in Krankenhäusern erreicht kritische Marke

by Surgical Tribune

BERLIN – In deutschen Gesundheitseinrichtungen fehlen Ärzte und Pflegekräfte. Laut einer repräsentativen Umfrage betrifft der Ärztemangel besonders Allgemeinkrankenhäuser und Rehabilitationskliniken. Vom Mangel an Pflegkräften sind hauptsächlich Fachkrankenhäuser und Universitätskliniken betroffen. Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) fordert Unterstützung von Seiten der Politik.

Im Rahmen einer Umfrage des VKD wurden rund 1800 VKD-Mitglieder zum Ärzte- und Pflegepersonalmangel in ihren Kliniken befragt. Die Befragung ist Teil einer Studie zur Finanzlage der deutschen Krankenhäuser.

Dreiundneunzig Prozent der Manager von Allgemeinkrankenhäusern gaben an, dass das Besetzen von Stellen im ärztlichen Dienst "sehr schwierig" oder "schwierig" ist. Lediglich sieben Prozent der befragten Gruppe hatten damit bisher keine Probleme. Noch schwieriger gestaltet sich die Stellenvergabe in Rehabilitationskliniken. Von den befragten Managern hielten diese 95 Prozent für „schwierig“ oder "sehr schwierig". Aber auch Fachkrankenhäuser und psychiatrische Krankenhäuser verwiesen mit je 33 Prozent auf größere Schwierigkeiten. Die Situation in den Universitätskliniken ist erwartungsgemäß etwas entspannter. Dort haben 57 Prozent keine Probleme mit Stellenbesetzungen im ärztlichen Bereich.

Besonders schwer haben es kleine Krankenhäuser. Von den 37 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser mit einer "sehr schwierigen" Besetzungssituation besitzen zahlreiche Institutionen weniger als 250 Betten. Ihr Anteil an der Bewertung mit "sehr schwierig" betrug 49 Prozent. Krankenhäuser mittlerer Größe gaben zu 39 Prozent an, dass die Besetzungssituation "sehr schwierig" sei. Große Krankenhäuser über 500 Betten sowie Universitätskliniken haben es dagegen etwas leichter, ärztliche Stellen zu besetzen. Aus dieser Gruppe gaben nur 20 Prozent an, große Schwierigkeiten damit zu haben.

Bessere Vergütung in Rehakliniken


Laut VKD könnte eine bessere Vergütung eventuell dabei helfen, Stellen einfacher zu besetzen. Doch obwohl 37 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser die Besetzungssituation im ärztlichen Dienst als "sehr schwierig" bewerteten, zahlen nur 13 Prozent ihren Ärzten überwiegend übertarifliche Gehälter – für den VKD ein deutlicher Hinweis auf die angespannte Finanzlage der Häuser. Denn immerhin rund 46 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser (ohne Fachkrankenhäuser, einschließlich Universitätskliniken) erwarten bis Ende 2012 ein Defizit bei der Stellenvergabe. Ärzte in Rehakliniken stehen im Schnitt finanziell besser da. Dort zahlt jede dritte Einrichtung (34 Prozent) übertarifliche Gehälter.

Für die Universitätskliniken stellt sich die Situation zunehmend schwieriger dar. Hauptprobleme sind zum einen zunehmende Forderungen von Fachärzten nach außertariflichen Vergütungen und zum anderen Mangel an Operations- und Anästhesiepflegekräften.

Hoher Pflegedienstmangel in Unikliniken


Aufschlussreich waren auch die Angaben zur Stellenbesetzung im Pflegedienst. Während die Manager der Allgemeinkrankenhäuser hier nur zu 14 Prozent mit "sehr schwierig" antworteten, lag dieser Anteil bei den Fachkrankenhäusern mit 27 Prozent und den Universitätskliniken mit 21 Prozent deutlich höher. Bei den Rehakliniken gaben 20 Prozent der Befragten an, dass es "sehr schwierig" sei, Pflegekräfte zu finden, 30 Prozent allerdings hatten keinerlei Probleme. Ähnlich stellte sich die Situation auch bei den Allgemeinkrankenhäusern dar, die ebenfalls zu rund 30 Prozent bisher keine Probleme sahen. Dagegen gaben nur 14 Prozent der Befragten aus den Universitätskliniken an, problemlos Stellen im Pflegedienst besetzen zu können.

Laut VKD zeigen die Umfrageergebnisse deutlich, dass der Ärztemangel in Allgemeinkrankenhäusern (ohne Fachkrankenhäuser) mittlerweile eine kritische Marke erreicht hat, wobei gerade kleine Krankenhäuser überproportional betroffen sind.

„Die Trends jedoch sind eindeutig", so die Einschätzung von VKD-Präsident Dr. Josef Düllings. „Es müssen immer mehr ältere Menschen medizinisch und pflegerisch versorgt werden. Es stehen dafür aber immer weniger vor allem jüngere Mitarbeiter zur Verfügung. In den kommenden Jahren ist daher nach Einschätzung des VKD mit einer Verschärfung der Personalsituation in den Krankenhäusern, Rehakliniken und Pflegeeinrichtungen zu rechnen, wenn dem nichts entgegengesetzt wird. Denn eine weitere Verschärfung des Problems ist nicht schicksalhaft. Sie kann durch kluge Entscheidungen in der Gegenwart – auch auf politischer Ebene – positiv beeinflusst werden!"

Fachkräftemangel primär politisch verursachtes Problem


„In den Krankenhäusern wird bereits viel dafür getan, Ärzten und Pflegenden ein attraktives, familienfreundliches Berufsumfeld zu schaffen“, so der Verband in einer Presseerklärung. „Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass zumindest der Ärztemangel ein primär politisch verursachtes Problem ist. So haben Bund und Länder vor zehn Jahren die Studienkapazitäten für Medizin um rund zehn Prozent reduziert. Die Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie führte in den Krankenhäusern nach Berechnungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zu einem Mehrbedarf von 27.000 Ärzten. Daher ist die Politik auch aufgefordert, sich an der Lösung dieses Problems zu beteiligen.“

Empfehlungen an die Politik


Ginge es nach dem VKD, so sollten Bund und Länder die Studienplatzkapazitäten wieder um mindestens zehn Prozent anheben. Zudem sollte der Numerus Clausus als Eingangsvoraussetzung durch gleichwertige Kriterien ergänzt werden, die mehr an der Praxis der Medizin orientiert sind.

Bund und Länder sollten darüber hinaus deutlich mehr Programme auflegen und fördern, die eine fachliche, sprachliche und kulturelle Integration von ausländischen Ärzten und Pflegenden unterstützen.

In der Bevölkerung wird Ärzten und Pflegenden eine hohe Wertschätzung entgegengebracht. Diese sollte sich laut Verband auch in den Regelungen zur Krankenhausfinanzierung niederschlagen: „Eine zukunftsfeste Krankenhausversorgung braucht mindestens eine verlässliche, nicht nur teilweise, sondern volle Refinanzierung der Tarifentwicklung.“

Ferner erklärte der VKD: „Aufgrund gesetzlicher Einschränkungen können die Krankenhäuser derzeit in keinem Bereich eine Refinanzierung ihrer Kosten über die Preise und ebenso wenig über die Mengen erreichen. Dies gilt für Tarif und Sachkostensteigerungen. Dies gilt auch für Personalkostensteigerungen zur Versorgung zusätzlicher Patienten (Kollektivhaftung durch Absenkung des Landesbasisfallwertes). Dies gilt ebenfalls, weil in den Jahren 2013 und 2014 vereinbarte Mehrleistungen eines Krankenhauses mit zusätzlichen Abschlägen von jeweils 25 Prozent ,bestraft‘ werden. Dies gilt ebenfalls für Investitionskosten. Die Investitionsförderung der Länder wurde seit den 90er Jahren immer weiter reduziert. Heute sind die Krankenhäuser im investiven Bereich jährlich um mehr als zwei Mrd. Euro unterfinanziert. Die finanzielle Auszehrung schlägt sich in hohem Maße in der Personalsituation nieder.“

Der Verband fordert die Politik zum Handeln auf, denn die Neuregelungen zur Krankenhausfinanzierung würde zu kurz greifen. Der VKD fordert die Bundesregierung auf, umgehend einen Gesetzentwurf vorzulegen, der folgende Lösungen vorsieht:

  •  Die Kollektivhaftung der Krankenhäuser bei der Ermittlung des Landesbasisfallwertes ist abzuschaffen oder soweit zu modifizieren, dass ein gut geführtes Haus in der Fläche auch ohne Leistungssteigerungen eine gesicherte Finanzierungsbasis hat.
  • Der neu eingeführte Orientierungswert für Krankenhäuser ist in seiner jetzigen Form eine Fehlkonstruktion. Er muss so gestaltet werden, dass er mindestens eine verlässliche und volle Refinanzierung der Tarifentwicklung gewährleistet.
  • Angesichts ihrer Letztverantwortung, die die Krankenhäuser vielfach auch in der ambulanten Versorgung von Patienten wahrnehmen müssen, ist nicht nachvollziehbar, dass für den niedergelassenen Bereich in 2013 rund 1,4 Mrd. Euro mehr bereit gestellt werden, während es für den gesamten Krankenhausbereich zusätzliche Finanzmittel nur im unteren dreistelligen Millionenbereich gibt. Auch dies muss korrigiert werden.
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